Na, neugierig auf den Beitrag geklickt, weil du auch dachtest: Haha – selbstbewusst – Schriftsteller – was für ein Wortwitz!

Wer in seiner Freizeit mehr als nur Einkaufszettel und einmal im Jahr eine Postkarte schreibt, behält das lieber für sich. Im Gegensatz zu vielen anderen Hobbys ist das Schreiben etwas, das man lieber für sich behält. Dabei gibt es deutlich ausgefallenere Hobbys, die nachdenklich stimmen könnten: Hirschrufe nachahmen, Luftgitarre spielen oder Sumpfschnorcheln zum Beispiel (gefunden auf: http://welt-der-hobbys.de/verrueckte-hobbys/).

Dennoch: Schreiben tut man lieber heimlich. Dabei ist doch das Ziel der meisten Schreiberlinge, für die Texte, die sie produzieren, auch Leser zu finden. Also, wo liegt denn liegt denn das Problem?

 

Ohne mich zu weit aus dem Fenster zu lehnen, denke ich behaupten zu können, dass ich eine durchaus selbstbewusste Frau bin. Ich habe kein Problem damit, ein Referat frei zu halten, vor einer Klasse zu stehen oder im LARP (eine Art Improvisationstheater) auch mal etwas zu wagen.
Dennoch fiel es mir und fällt es mir immer noch schwer, mit meinem Hobby Schreiben offen umzugehen. Frei heraus zu sagen, man schreibt, ist verpönt, und das scheint jedes Genre zu betreffen. Die Vorurteile sind breit gefächert: Den Krimischriftstellern unterstellt jeder, unterdrückte Triebe auszuleben, die Verfasser von Liebesromanen kompensieren offensichtlich ihr eigenes, unbefriedigendes Sexualleben, Fantasyautoren haben grundsätzlich einen an der Klatsche und die, die das schaffen, was man als „hochwertige Literatur“ bezeichnen könnte, sind doch völlig weltfremd und a-sozial. Und alle schreiben ja sowieso nur, um berühmt zu werden.

All das rast einmal schnell durch meinen Kopf, wenn ich gefragt werde, was ich eigentlich so in meiner Freizeit mache. Die Wahrheit zu sagen, fällt mir dann oft schwer. Erst heute ist mir wieder aufgefallen, wie ich bei meiner Antwort anfange zu lachen, um meine eigene Unsicherheit zu überspielen.

 

Gegen diese Unsicherheit gibt es nur ein Rezept: Zu dem Stehen, was man tut.
Jetzt sagen sicher viele: Danke, Alex. Was für ein Tipp! (Sar-kas-mus, der, triefend)

Lasst mich ins Detail gehen. Ich handhabe es inzwischen so: Um die oben beschriebene, unangenehme Situation zu vermeiden, erzähle ich selbst von meinem Hobby, als zu warten, bis jemand nachfragt. Und anstatt dabei peinlich berührt zu kichern, spreche darüber, als sei es das normalste der Welt (was es ja auch ist): Ich berichte von der Arbeit, dem Ausflug mit meinem Freund und meinem Plotproblem im letzten Kapitel.

Meine Feststellung ist: Umso alltäglicher ich von meinem Hobby berichte, umso alltäglicher wird es von den anderen aufgefasst. Was ich im privaten Kreis geübt habe, übertrage ich nun nach und nach auf mein öffentliches Auftreten. Guten Kollegen erzähle ich davon inzwischen genauso wie auch einer netten Dame in der Buchhandlung, mit der ich ins Gespräch komme. Nur zu aufdringlich sollte man nicht werden. Immerhin muss sich ja nicht jeder, dem man einmal die Hand schüttelt, für meine Freizeitbeschäftigung interessieren ;)

Der große Trick ist also: Je selbstverständlicher ich mit dem Schreiben umgehe, desto weniger werde ich mit Vorurteilen konfrontiert. Und das ist es, was einen selbstbewussten Schriftsteller ausmacht.

 

Eure Alex

Photo by YIFEI CHEN on Unsplash

10 Antworten auf „Der selbstbewusste Schriftsteller

  1. Es ist schon kurios, wie die eigene Selbstverständlichkeit, dass man ein Autor ist, mit der Selbstverständlichkeit kollidiert, in der andere Leute das Schriftstellerdasein wahrnehmen. Denn übersteigerte Selbstverständlichkeit erklärt zum Teil die Geringschätzung, die sich bei anderen Menschen in solchen Formulierungen manifestiert:
    „Kann man davon überhaupt leben?“ „Schreiben kann doch jeder.“ „Ich tippe auch den ganzen Tag und würde das nicht als Hobby bezeichnen.“
    Deinen Ansatz darüber zu sprechen, bevor andere darüber richten können finde ich daher sehr gut. Nicht nur weil es den Wind aus den Segeln des Gegenüber nimmt. Es präsentiert auch solche Botschaften, wie z.B. „Es ist mein Hobby. Mach ich dir deines etwa madig?“, „Wenn wirklich jeder Schriftsteller sein kann, warum haben wir dann nicht mehr davon?“ und „Schreiben ist ein Teil meiner Expression, auch als Individuum. Und ein solches kann man nicht über einen Kamm scheren mit anderen, sondern muss es einzigartig wahrnehmen und kennen lernen.“

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    1. Ich bin zum Glück noch nicht so oft mit solchen Aussagen direkt konfrontiert worden. Aber ich merke, wenn die Leute einen deshalb komisch von der Seite ansehen. Oder kurz grinsen. Ohne, dass sie etwas sagen, machen sie Haltung deutlich.

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      1. Stimmt. Kommunikation ist nicht nur verbale Äußerung. Viele vergessen ihr „Sprechen“ via Mimik und Gestik.
        Und ich denke auch, dass man als potentiell „Betroffener“ dieser nonverbalen Kommunikation wesentlich empfindlichere Antennen dafür hat.

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  2. Ich hatte ja das Glück, dass in meinem Umfeld (fast) jeder es ziemlich cool findet, dass ich schreibe. Klar, es gibt auch immer mal wieder die ewigen Pessimisten, aber den nehme ich dann gerne den Wind aus den Segeln, indem ich sie frage, wie sie denn so ihre Freizeit „verschwenden“. Da kommt dann meist nichts konstruktives zurück. Ich hatte allerdings auch schon immer ein recht dickes Fell was sowas angeht und es ist mir eigentlich völlig egal, wie andere darauf reagieren. Wenn wir irgendwann unsere Bestseller in den Buchshops stehen haben, lachen wir ohnehin zuletzt.

    „MUAHAHAHA! Guckt halt weiter euer Netflix, ihr Nulpen. Ich schreibe die Romanvorlagen für die ganzen Serien.“ – Eigenzitat aus einer möglichen Zukunft

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    1. Das Zitat gefällt mir :D
      Und es ist ja tatsächlich so, dass die, die in ihrer Freizeit nur konsumieren anstatt zu produzieren, am ehesten eine schnippische Bemerkung auf den Lippen haben. Wer selber kreativ ist, in welcher Art auch immer, ist auch gegenüber dem Schreiben offen.

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      1. Den Eindruck habe ich auch. Wobei in meinem Umfeld natürlich auch längst nicht alle kreativ auf irgendeine Weise sind. Die meisten hier sind aber zumindest offen und interessiert. Das reicht ja dann auch schon mal für den Anfang.

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  3. Die einfachsten Tipps sind ja ganz oft die besten! Ich fühle mich durch deinen Post irgendwie ertappt, denn auch, wenn ich durch viel Arbeit an meiner Einstellung mich meinem Schreiben gegenüber endlich professioneller verhalten kann, in der Öffentlichkeit fällt mir das immer noch schwer. Egal, wer mich darauf anspricht, Freunde, der nette Physiotherapeut, ja selbst mein Mann (der geplagte Testleser): ich reagiere verhuscht und bin sofort in Verteidigungshaltung. Ich weiß, dass liegt daran, dass ich dem Schreiben nie den richtigen Platz in meinem Leben zugestanden habe und mir oft noch das Selbstverständnis fehlt, es auch in die Öffentlichkeit zu tragen.

    Ich freu mich immer, wenn ich feststellen, dass ich nur unter denselben Autorenkrankheiten leide wie jeder andere Schreibende auch. Das macht es besser.

    Dein Rat ist klasse und ich werde ihn definitiv anwenden. Das klingt nach der einzig vernünftigen Methode. Da lese ich gerade Steven Pressfields „Turning Pro“, aber obwohl er so viele Marotten abdeckt, auf diese geht er nicht ein! Wird sicher eine Ergänzung in meiner Rezension. Ich darf ja auf dich verlinken?

    Grüße!
    Stefanie

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  4. Hallo,
    bin durch Twitter auf deinen Blog hier gestoßen und dachte ich lese mich gleich mal ein. Um ehrlich zu sein, hatte ich nie über diese Hemmungen nachgedacht, aber du hast Recht. Wenn ich nach Hobbys gefragt werde, sage ich meistens „Ich mach Zumba“ oder „ich gehe gerne schwimmen“. Gefühlt ist ein Hobby auch nur etwas, dass man in einem Verein ausleben kann. Und wenn ich dann auch noch sagen würde, dass ich Fanfiktions scheibe…
    Die sind ja eh gleich negativ belastet. Aber auch den Krimiaspekt kann ich nachvollziehen. Finde deine Sichtweise sehr interessant und schaue mir mal die anderen Artikel so an.
    LG Claire4JJ

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