Was gäbe es nicht für einen besseren Zeitpunkt mit dem Bloggen wieder zu starten, wenn nicht an dem Punkt, an dem man zuletzt aufhörte?

Vor inzwischen zwei Jahren, im Sommer 2019, habe ich die ersten fünf Kapitel meines Manuskriptes an eine Handvoll Testleser versendet. Das Feedback damals war für mich vernichtend. Die Figuren waren unauthentisch und unausgereift, der Plot schwer nachvollziehbar, genauso wie die Gedanken und Gefühle, die die beiden Protagonistinnen leiten sollen. Der Stil insgesamt unausgereift.
(Das hat keiner mit solch harten Worten ausgesprochen, aber im Grunde war es so.)

Ich habe damals schwer an meinen Schreibkünsten gezweifelt. Aber nicht allzu lange. Ich habe den damals aktuellen Überarbeitungsdurchlauf, mit dem ich bereits bis Kapitel 10 gekommen war (was immerhin ein Drittel des Buches ist), abgebrochen und habe wieder von vorn angefangen.
Das schreibt sich jetzt leichter, als es war. Der Moment, zu erkennen, dass das, was ich bis dahin produziert hatte, nicht tragfähig war für ein Buch, tat weh. Aber ich habe mich erstaunlich schnell auf das fokussiert, auf was es schlussendlich ankommt: Weiter machen. Besser werden.

Die Erkenntnis, dass ich nochmal von vorn und nochmal ganz anders beginnen muss, hatte ich, als ich anfing im 6. Kapitel die gröbsten Fehler ausmerzen zu wollen. Ich habe mich dabei einer neuen Technik bedient: Statt gleich ein ganzes Kapitel zu überarbeiten, habe ich dieses in Szenen eingeteilt und mich Stück für Stück durch den Text gearbeitet. Dadurch konnte ich mich besser auf das aktuelle Geschehen in der Szene konzentrieren und dabei das Beste aus dem Text herausholen – ohne mich von der Menge des Gesamtkapitels erschlagen zu fühlen. Das war für mich eine bedeutsame Änderung in meinem Überarbeitungsablauf.

Letzten März habe ich nun erneut das 6. Kapitel fertig überarbeitet.
Dazu sei gesagt, dass ich nicht die letzten 2 Jahre für nur 6 Kapitel gebraucht habe. Es lagen auch längere Zeiten dazwischen, in denen ich mich gar nicht dem Schreiben widmen konnte. Dieses Jahr habe ich nun endlich wieder mehr Zeit dazu und komme ganz gut voran.
Meine Methode, die Kapitel in Szenen zu unterteilen und mich ganz darauf zu konzentrieren, jede einzeln zu schleifen und zu neuem Glanz zu verhelfen, habe ich beibehalten.
Inzwischen hilft mir diese Unterteilung auch ungemein dabei, schneller Szenen wiederzufinden, um nachträglich Änderungen im bereits überarbeiteten Text einzufügen.

Sowohl die neuen als auch ein paar von den alten Testlesern (die nicht schreiend davon gerannt sind), bezeugen, dass ich inzwischen besser geworden bin, die Geschichte zu schreiben, die ich erzählen möchte.

Wir lesen uns.
Alex

Photo by Pixabay

9 Antworten auf „WIP März ’21

  1. A la bonheur, liebe Alex! Ich ziehe meinen Hut vor dieser Haltung. Wo die meisten von uns Schreiberlingen sich waidwund und schmollend zurückziehen, hast Du es geschafft, den richtigen Weg mit Kritik umzugehen, zu wählen! Viele von uns erwarten von Testlesern Lobhudeleien oder nur sanfte, einfühlsame Verbesserungsvorschläge. Eine negative Kritik erst sacken zu lassen, um sie dann in produktive Änderungen zu verwandeln, gelingt nicht jedem. Toll! Vielen Dank für diesen wichtigen Impuls (ich wünsche mir für mich auch diese Stärke) und alles Gute und viel Erfolg für das Projekt!

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    1. Liebe Heather,
      danke für deine lieben Worte! Es war auch nicht einfach, mit dieser Kritik umzugehen. Man muss das tatsächlich lernen. Da helfen alle guten Ratschläge im Vorhinein nichts – da muss man durch ;)
      Schreibst du selber auch?
      Liebe Grüße, Alex

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      1. Hallo Alex,
        zwar schreibe ich ständig, habe aber außer einem gefloppten Kinderbuch (Selfpub) und ein paar Kurzgeschichten auf meinem Blog nichts vorzuweisen. Auch ich habe die bittere Pille gekostet und meine Erfahrungen gemacht, die mir nun mit etwas Glück helfen. Wir dürfen zweifeln, aber nicht verzweifeln! Derzeit arbeite ich an einem autobiografischen Text und für die etwas fernere Zukunft, an einem Urban Fantasy-Projekt. Welches Genre bevorzugst Du?

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      2. Du darfst natürlich fragen. „Manöverkritik“ ist zur Vermeidung künftiger Fehler wichtig. Ich habe das Büchlein 2016 über Amazon Selfpublishing (eBook und Print) herausgebracht und bin zum Bewerben (für das Marketing ist der Autor komplett alleine verantwortlich) der Empfehlung gefolgt, an bestimmten Tagen einen kostenlosen eBook-Download anzubieten. Über 200 Exemplare wurden zwar angefordert, aber es gab nur eine einzige Rezension (da hatte ich mehr erhofft, denn sie sind wichtig) und kaufen wollte es letztlich niemand. Selfpublisher hatten vor 5 Jahren einen noch schwierigeren Stand und auch heute ist es kaum leichter.
        Zudem war das Cover nicht ansprechend genug und ich hätte weit mehr „Öffentlichkeitsarbeit“ leisten müssen – da muss man aber auch der Typ dafür sein. Heute ist der/die Autor*in hinter dem Buch fast wichtiger geworden als der Inhalt.

        Suchst Du, wenn Du Dein Manuskript fertiggestellt hast eine*n Lit-Agentur/Verlag oder strebst Du auch eine Eigenveröffentlichung an?

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  2. Ich habe großen Respekt davor, wie gut du mit der Kritik umgegangen bist. Klar, ich kann mir sehr gut vorstellen, wie scher das für dich war, doch dass du es geschafft hast, dich dieser Kritik derart anzunehmen spricht für dich und dein Können.
    Ich weiß selbst, wie hart es ist, sich einzugestehen, dass man nochmal von Neuem beginnen muss. Doch so hart es auch ist, es ist befreiend, zu sehen, wenn es sich gelohnt hat!
    Liebe Grüße!

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    1. Danke dir! Ja, es ist ein gutes Gefühl, jetzt auf diese Zeit zurückzublicken und zu sagen: Hah! Ich habs geschafft! Ich hab mich durchgebissen! Und mit Abstand kommt einem die Kritik gar nicht mal mehr so hart, sondern einfach nur ehrlich vor.

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