Muss es immer spannend sein?

Nein. Muss es natürlich nicht. Jede Geschichte braucht einen Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung, damit ein natürlicher Erzählrhythmus entsteht und weder Figuren noch Leserschaft durch die Handlung gehetzt werden. Mitunter kann auch erst die berühmt berüchtigte „Ruhe vor dem Sturm“ einen Höhepunkt besonders spannungsvoll machen.

Darüber hinaus muss sich die Gesamthandlung entlang eines sogenannten Spannungsbogens erstrecken. Es muss also nach und nach mehr Spannung aufgebaut werden. Eine sinnvoll gestaltete Handlung nimmt demnach ihren Anfang bei einem ersten Konflikt, der zu weiteren Problemen führt, die sich nach und nach aufbauen, ineinander greifen und zu einem Höhepunkt führen, dessen Überwindung eine Lösung und damit das Ende der Geschichte bringt.

So weit, so einleuchtend. Dieses Grundkonzept ist jedem bekannt und in einer einfachen, kurzen Handlung auch (relativ) leicht umzusetzen. Komplizierter wird es, wenn auch die Handlung komplexer und somit abwechslungsreicher im Auf und Ab der Spannung gestaltet werden muss.

Denn was man gerne übersieht: Was im Großen gilt, gilt auch im Kleinen! Nicht nur die Gesamthandlung muss einem Spannungsbogen aufweisen, auch jedes Kapitel, ja, jede Szene braucht einen erzählerischen Bogen, der von Spannung getragen wird. Nicht nur die Gesamthandlung muss dementsprechend planvoll erdacht werden. Jedes Kapitel braucht seine eigene Spannungs-Komposition, will heißen, ein schrittweisen Aufbauen von Spannung und Nervenkitzel, das zu seinem jeweiligen eigenen kleinen Höhepunkt führt.

Damit ist nicht zwangsweise gemeint, dass die Figur in ständiger Angst und Sorge umherlaufen muss (außer du schreibst einen Thriller, dann vielleicht schon).
Spannung kann auch gezielt durch Wissen und Unwissen entwickelt werden. Die Frage „Warum passieren diese Dinge?“ ist sowohl für die Figur als auch für den Leser ein packender Antrieb, um die Geschichte voranzubringen und weiterzulesen.

Gegenteiligen Effekt hat übrigens die Frage „Was passiert hier?“, die eher für Irritation als für Neugier beim Leser spricht. Wenn nie klar wird, was genau aus welchen Gründen geschieht, die einzelnen Handlungsabschnitte also wahllos und unlogisch erscheinen, entsteht Frust beim Leser und er bricht die Lektüre ab. Dieser feine Unterschied sollte in jedem Fall beachtet werden.

Wir lesen uns.
Alex

Photo by Perchek Industrie on Unsplash

3 Antworten auf „Spannung gezielt aufbauen – so gehts!

  1. Danke Alexandra, für die offenen und anregenden Worte. Ich schreibe gerade an zwei Geschichten, welche die selben Charaktere beinhalten, Zola (weibl.) und Auriel (männl.), beide sind
    meine Begleiter zur Verarbeitung vergangener Umstände. Sie begleiten mich, wenn auch auf einer sehr
    emotionalen Ebene.

    Daher freute ich mich darüber, von Dir zu lesen, welche Einflüsse in Texten wirken können.
    Da mir ein Angebot eines Verlags oder ähnlichem, noch nicht vergönnt ist, sind meine Texte vorwegs für mich gedacht.
    Du Alexandra schreibst sehr schön und einfühlsam. Dankeschön für das teilen deines Wissen zur Schrift und Sprache!

    Lieben Gruß,
    Govinda

    Gefällt 1 Person

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