Manchmal muss man als Autor schwere Entscheidungen treffen: Welche Erzählperspektive ist zu wählen? Wie wird der Plottwist bestmöglich inszeniert? Und ob man wirklich noch die fünfte Tasse Kaffee heute trinken sollte?
Oder eben: Lasse ich diese Figur sterben?

Aus Sicht des Autors ist auch in jede noch so unbedeutende Nebenfigur Liebe und Herzblut geflossen. Dementsprechend schwer fällt es, den Tod seiner Figur zu beschreiben. Sowohl emotional als auch erzähltechnisch. Denn auch wenn der Autor vielleicht gern jedes Sterben so theatralisch wie den Tod von Romeo und Julia inszenieren würde, ist das nicht immer angebracht. Gerne wird bei einem heldenhaften Tod ein bisschen übertrieben mit der Dramatik – und dann wirkt es einfach nur kitschig und kein bisschen traurig. Hier kann das ehrliche Urteil von Testlesern hilfreich sein, um die Wirkung einer solchen Szene zu analysieren und zu verbessern.

Zu schnell sollte man trotzdem nicht über ein solches Ereignis hinwegschreiben. Besonders den hinterbliebenen Figuren sollte eine angemessene Zeit und Reaktion der Trauer angedichtet werden. Eine nicht ausreichende oder gar fehlende Reaktion auf ein solch einschneidendes Ereignis wirkt sonst schnell unrealistisch. Auch wenn insbesondere in High Fantasy-Romanen der ruhmreiche Tod auf dem Schlachtfeld schon zu den Klassikern zählt, sollte man nicht außer Acht lassen, dass Sterben eine hochemotionale Angelegenheit ist und auch in einer kriegerischen Welt nicht als „Normalität“ dargestellt werden sollte.

Dennoch muss man sich als Autor bewusst sein, dass auch die beste Inszenierung nicht jedem Leser ein Tränchen aus dem Auge drücken wird. Je nach Sympathie oder Antipathie für die Figur kann die Reaktion der Leserschaft mal mehr, mal weniger ergreifend sein.

Was aber, wenn der Hauptcharakter sterben soll? Und zwar nicht erst am Ende, sondern so mitten im Geschehen! Als Ausgangspunkt der Erzählung, Hauptträger der Handlung, Identifikationsfigur und wichtigster Sympathieträger der Geschichte stellt diese Figur häufig den Grund dar, warum man weiterliest. Von solchen erzählerischen Experimenten würde ich daher lieber abraten. Zu groß ist die Gefahr, dass damit nicht nur der Held der Geschichte, sondern auch das Interesse an dem Buch stirbt.

Was sagt ihr dazu?

Wir lesen uns.
Alex

Photo by Grant Whitty on Unsplash

Eine Antwort auf „Den Tod richtig in Szene setzen

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