Es ist Samstagmittag, strahlend blauer Himmel und halb Rostock versucht gerade, noch ein freies Plätzchen am völlig überfüllten Strand von Warnemünde zu finden. Ich sitze stattdessen in meinem überhitzten Wohnzimmer mit dem heiß gelaufenen Laptop auf meinem Schoß und schreibe an meiner Geschichte. Typisch Schriftsteller! Statt rauszugehen und das Leben zu genießen, verlieren sie sich in Traumwelten, die sie quälend langsam zu Papier bringen.
Ja, so ist das eben, wenn man ein Ziel hat, muss man sich auch mal auf den Hosenboden setzen und durchziehen! Dass das unabhängig vom Wetter nicht immer einfach ist, habe ich in den letzten zwei Monaten feststellen müssen. Die bekanntlich beste Ausrede ist ja: Ich hatte einfach keine Zeit! Tatsächlich hatte ich jedoch Zeit ohne Ende. An was es vielmehr fehlte, war Motivation.
Wie man ein solches Schreibtief überwinden kann, habe ich auf Twitter gefragt und eine Menge toller Tipps erhalten, die ich euch hier zusammengestellt habe:

 

(1) Pause machen
Statt krampfhaft auf den Bildschirm zu starren, ist es manchmal sinnvoller, spazieren zu gehen oder Freunde zu treffen, das Lieblingsbuch zu lesen oder zu kochen, den Abwasch zu machen… Die Motivation zum Schreiben kommt dann ganz von allein zurück.

(2) Austausch mit anderen
Writing Buddies spornen sich gegenseitig zum Schreiben an, tauschen sich über Wortzahlen und die Plotentwicklung aus und haben gemeinsam Spaß an ihrem Hobby. Kann ich nur empfehlen – stimmt’s, Eileen? ;)

(3) Wortzahlen-Spiele
Habe ich selbst noch nicht probiert, aber viele nutzen parallel zum Schreiben eine Spiele-App oder Online-Plattform, bei der mit Wortzahlen Monster besiegt oder Hindernisse überwunden werden. Spornt an und hebt die Laune bei jedem neuen Sieg.

(4) feste Schreibzeiten etablieren
Routinen erleichtern das Schreiben, da man sich dadurch nicht immer wieder neu motivieren muss, sondern Schreiben zu einer bestimmten Zeit als Regelfall wahrgenommen wird. Einfach ransetzen und los geht’s!

(5) Zeitdruck schaffen
Unter Druck arbeitet es sich bekanntlich am besten. Noch ein paar Wörter vor dem Sportkurs, eine halbe Stunde, bevor es Abendessen gibt, oder kurz, bevor die Freunde kommen – und dann fliegen die Finger nur so über die Tastatur!

(6) Ziele definieren
Wie viele Wörter am Tag willst du schaffen? Welche Szene soll heute noch fertig werden? Wie viele Kapitel willst du im Monat schreiben? Ein fester Arbeitsplan schafft sowohl Druck als auch Motivation, diese Ziele auch zu erreichen.

(7) Hintergrund zur Geschichte basteln
Gerade nach einer längeren Pause ist der Schritt, wieder anzufangen, nicht immer einfach. Sich in den eigenen Hintergrund einzuarbeiten oder diesen auszubauen, kann helfen, in das Geschehen wieder einzutauchen und die Lust am Schreiben zu wecken.

(8) Freewriting
Manchmal kann es auch helfen, unabhängig vom Plot eine Szene zu schreiben, um mit den Charakteren oder der Situation warm zu werden. Das nimmt den Druck heraus und schafft ein tieferes Verständnis für Figuren, Motivationen und Hintergründe.

(9) Überarbeiten
Wenn es so gar nicht weiter gehen will, kann es sein, dass sich zuvor Fehler in den Plot eingeschlichen haben. Eine Überarbeitung kann helfen, diese Fehler auszumerzen oder ein paar Szenen zuvor wieder in die Handlung einzusteigen, um den gedanklichen Anschluss zu finden.

(10) Testleser finden
Leser, die regelmäßig auf Nachschub drängen, können besonders motivierend sein. Wenn sie mit den Charakteren fiebern und sie in ihr Herz schließen, geben sie dir die Begeisterung, die die ich antreibt, immer weiter zu schreiben.

(11) In die Zukunft blicken
Manchmal kann es helfen, sich auszumalen, wie es ist, die Geschichte endlich fertiggestellt zu haben: Das eigene Buch endlich in den Händen halten, es in der Lieblingsbuchhandlung liegen zu sehen, in der Spiegel-Bestseller-Liste wiederfinden…?

(12) Zwischen zwei Projekten wechseln
Ein Tipp, der für mich nicht funktionieren würde, aber trotzdem von einigen gern praktiziert wird: Immer, wenn die Lust an dem einen Projekt fehlt, zu einem Nebenprojekt wechseln, zum Beispiel für einen Kurzgeschichtenwettbewerb schreiben oder ein Spin-Off der eigenen Geschichte ausdenken.

In jedem Fall sollte man ein solches Tief akzeptieren, nichts erzwingen und kein schlechtes Gewissen haben. Kreativität ist nun mal kein Automatismus.

So, und jetzt geht es für mich ebenfalls an den Strand!

Eure Alex

Photo by Pixabay

17 Antworten auf „Motivationstief überwinden – 12 Tipps

  1. Dein Artikel spricht so viele wichtige und richtige Dinge an, die man machen kann oder sollte. Alleine das Wechseln zwischen Projekten, was ich privat fast nur mache (zu viel im Kopf, das rauswill :D ), ist wissenschaftlich als positiv belegt worden. Forscher fanden nämlich heraus, dass Büroarbeiter wesentlich produktiver arbeiten können, wenn sie kurze Surf-Pausen einlegen. Dadurch wird das Gehirn neu getacktet.
    Writing Buddies ist ein neuer Begriff für mich, der aber toll klingt. Hm, wo bekomme ich jetzt meinen eigenen Writing Buddy her? :D
    Ich hoffe, der Tag am Strand hat sich für dich dann noch gelohnt. ;)

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    1. Ich hätte beim Arbeiten an mehreren Projekten immer das Gefühl, gar nicht voran zu kommen^^ Ich neige eher dazu, nebenbei über Chats mit Freunden zu kommunizieren, um neuen Input zu bekommen und mich neu zu „tackten“ ;)

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      1. Mein Kopf ist halt wie eine mehrspurige Autobahn mit Reissverschlussverfahren zwischendurch. :D
        Neutackten über Chat klingt gut. Das sollte ich auch einmal versuchen. Hm, nur mit wem …

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    1. Hallo Susanne, ich hoffe, du hast inzwischen das eine oder andere anwenden und wieder produktiver werden können! Ansonsten: Einfach mal abschalten und alles liegen lassen, dann kommt die Motivation schon wieder von selbst zurück ;)

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      1. Das Schlimme ist, dass das Projekt seit längerer Zeit schon brach liegt, aber ich werde deine Tipps im bevorstehenden Urlaub nochmal durchgehen und dann möchte ich auch wieder durchstarten. LG, Susanne

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  2. Hallo. :) Dieser Beitrag kommt ja wie gerufen! Das ist eine super schöne Liste mit guten Tips um die Motivation anzukurbeln! :) Ich werd mich demnächst mal wieder etwas mehr mit meinem Schreibprojekt befassen und einige Tips umsetzten. (Ich muss echt mal anfangen zu Plotten, vielleicht läuft es dann besser) Gibt es so eine Wortzahlen-App oder Spiel wirklich? Davon habe ich noch nie was gehört. xD Hört sich aber richtig lustig an.

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    1. Hallo Sarah!
      Ich kenne writeordie, ein Spiel zum runterladen, oder die App Fighters Block. Beides hab ich aber noch nicht ausprobiert, müsstest du selber mal schauen, wie es ist.
      Ansonsten hoffe ich, dass du inzwischen wieder produktiver geworden bist ;)
      Liebe Grüße, Alex

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      1. Hallo Alex. :)
        Vielen lieben dank für die Namen der beiden Apps! Ich werd sie mir bei nächster Gelegenheit mal anschauen. :D
        Das ist lieb von dir! Ich hab zwar recht viel um die Ohren, aber abends vor dem schlafen gehen wird so langsam zu meiner Standard Schreibprojekt Zeit! :D
        Ich hoffe du bist auch immer noch motiviert und produktiv. :)
        Ganz liebe Grüße zurück und genieß den Tag, Sarah

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  3. Ja, all die genannten Massnamen sind gut aber manchmal nicht ausreichend.
    Aber es gibt noch eine Chance. Ich nenne sie mal „die Generalfrage stellen.“
    Und diese Frage lautet: Warum überhaupt schreiben?
    Hier ein paar Antworten

    Ich möchte mich selbst ausdrücken
    Ich habe etwas zu sagen
    Ich will von den Lesern geliebt werden.
    Ich brauche Geld
    An sich selbst arbeiten, sich kennenlernen
    Dem Leser eine Erfahrung vermitteln, die über sein alltägliches Erleben hinausgeht
    Einsichten ermöglichen, die durch Konvention und Schamgefühl blockiert waren
    Dem Leser ein Gefühlserlebniss vermitteln
    Dem Autor Vergnügen bereiten
    Informationen weitergeben
    Sprachliche Schönheit
    Ich hatte eine Offenbarung
    Therapeutisches Schreiben
    Gemeinschaft und Austausch mit Menschen

    denkt mal drüber nach.

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